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Tötungsdelikte (§§ 211, 212 StGB) – Versuch beim Tötungsdelikt durch unmittelbares Ansetzen (§ 22 StGB) – Rücktritt vom Tötungsdelikt bei Alleintäterschaft vom unbeendeten oder beendeten Versuch (§ 24 Abs. 1 StGB) – Rücktritt vom Tötungsdelikt bei Mittäterschaft (§ 24 Abs. 2 StGB)

Strafverteidiger München – Fachanwalt Strafrecht

Rechtsanwalt Kapitalstrafrecht München: Volker Dembski

In diesem Beitrag befasst sich Anwalt Kapitalstrafrecht München Volker Dembski mit der Möglichkeit, von einem versuchten Tötungsdelikt gemäß den §§ 211, 212, 22, 23, 24 StGB strafbefreiend zurückzutreten.

1. Versuchtes Tötungsdelikt (§ 22, 23 StGB)

Ein vorsätzliches Tötungsdelikt setzt zwingend das Durchlaufen des Versuchsstadiums voraus. Gemäß § 22 StGB beginnt der Versuch, wenn der Täter nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar ansetzt. Voraussetzung ist ein Tatentschluss zur Verwirklichung aller objektiven und subjektiven deliktsspezifischen Tatbestandsmerkmale. Auch wenn noch kein Tatbestandsmerkmal verwirklicht worden ist, kann ein unmittelbares Ansetzen im Sinne eines Versuchsbeginns vorliegen, sofern vor Abschluss aller für den Eintritt des Taterfolges erforderlichen Handlungen das Tun ohne wesentliche Zwischenakte in die Erfüllung des Tatbetandes übergeht oder nach Abschluss der Handlungen mit einer Vollendung in einem überschaubaren Zeitraum zu rechnen ist.

Dem Versuch können Vorbeitungshandlungen vorausgehen. Diese sind grundsätzlich straflos. Bei den Tötungsdelikten gemäß den §§ 211, 212 StGB ist aber bereits der Versuch der Beteiligung gemäß § 30 StGB strafbewehrt. Gemäß § 23 Abs. 1 StGB ist der Versuch eines Verbrechens immer strafbar, der Versuch eines Vergehens nur bei entsprechender gesetzlicher Regelung. Gemäß § 23 Abs. 3 StGB ist auch der untaugliche Versuch strafbar. Hiervon zu unterscheiden ist das straflose Wahndelikt.

Beim Totschlag oder Mord in Mittäterschaft beginnt der Versuch für alle Beteiligte, wenn auch nur einer von ihnen eine zum Gesamtplan gehörende Handlung vornimmt und damit nach der Vorstellung aller die Ausführungsphase beginnt.

2. Rücktritt vom Tötungsdelikt (§ 24 StGB)

Ein Rücktritt gemäß § 24 StGB setzt voraus, dass das Tötungsdelikt versucht, aber nicht vollendet ist. Der Rücktritt bewirkt aber nur, dass der Täter wegen des versuchten Totschlags oder Mordes nicht verurteilt wird. Sofern er beim Tötungsversuch andere Delikte, insbesondere eine gefährliche Körperverletzung gemäß § 224 StGB verwirklicht hat, wird er wegen deren Vollendung bestraft.

Der Versuch darf jedoch nicht fehlgeschlagen sein. Das ist der Fall, wenn der Täter erkennt oder nur irrig annimmt, dass die tatbestandliche Vollendung der geplanten Tat aus tatsächlichen Gründen unmöglich ist.

Beim unbeendeten Versuch des Alleintäters genügt es gemäß § 24 Abs. 1 S. 1 Alt. 1 StGB, wenn der Täter die weitere Ausführung der Tat freiwillig aufgibt. Ein Versuch ist unbeendet, wenn der Täter noch nicht alles getan hat, was nach seiner Vorstellung zur Vollendung des Deliktstatbestandes notwendig ist. Freiwilligkeit ist gegeben, wenn der Täter nicht aus heteronomen, sondern aus autonomen Motiven handelt. Insoweit ist unerheblich, ob das Rücktrittsmotiv sittlich billigenswert ist. Ein Rücktritt ist ausgeschlossen, wenn das Delikt entgegen der Erwartung des Täters zur Vollendung gelangt.

Beim beendeten Versuch muss der Täter gemäß § 24 Abs. 1 S. 1 Alt. 2 StGB die Tat freiwillig verhindern. Ein beendeter Versuch liegt vor, wenn der Täter bereits alles getan hat, was er nach seiner Vorstellung tun musste, um den tatbestandlichen Erfolg herbeizuführen. Die Gegenaktivität muss entweder ursächlich für das Ausbleiben geworden sein oder der Täter muss sich gemäß § 24 Abs. 1 S. 2 StGB freiwillig und ernsthaft um die Erfolgsverhinderung bemüht haben.

Beim mehraktigen Versuchsgeschehen kommt es darauf an, ob die späteren Akte mit dem ersten Versuchsgeschehen einen einheitlichen Gesamtvorgang bilden. Verbindendes Element ist der durchgehende Deliktswille innerhalb eines unmittelbaren räumlichen und zeitlichen Zusammenhangs. Die Handlungseinheit endet aber, wenn die Tat zwischen zwei Akten zum Fehlschlag geworden ist. Wenn der Täter erkennt oder annimmt, dass das Delikt überhaupt nicht oder nur mit Verzögerung oder nur mittels einer grundlegenden Tatplanänderung vollenden kann, ist jeder neue Angriff als neue selbständige Tat zu bewerten.

Der Rücktrittshorizont des Täters kann sich bei fortbestehender Tatsituation ohne zeitliche oder situative Zäsur anhand der wahrgenommenen Wirklichkeit sowohl zu seinen Lasten als auch zu seinen Gunsten wieder verändern.

Auch wenn der Täter bereits durch den Tötungsversuch ein außertatbestandliches Zeil erreicht hat und ein Weiterhandeln daher für ihn sinnlos ist, liegt kein den Rücktritt hindernder Fehlschlag vor.

Bei Tateinheit gemäß § 52 StGB ist der Rücktritt teilbar. Ein Teilrücktritt von der versuchten Qualifiktion wird allerdings abgelehnt. Beim erfolgsqualifizierten Versuch ist ein Rücktritt dagegen möglich. Auch bei Tatmehrheit gemäß § 53 StGB kann bei einem nur zeitlichen Aufschub der Tatvollendung zunächst vom Versuch zurückgetreten werden, es sei denn die geplante Fortsetzung des Geschehens bildet mit dem bisherigen Geschehen eine natürliche Handlungseinheit.

Beim Totschlag oder Mord durch Unterlassen gemäß § 13 StGB liegt immer ein beendeter Versuch vor. Die Erwägungen zum mehraktigen Versuchsgeschehen sind anwendbar.

Wenn bei einem Tötungsdelikt mehrere Beteiligte (Mittäter, Anstifter, Gehilfen) mitwirken, findet § 24 Abs. 2 StGB Anwendung. Wegen der gesteigerten Gefährlichkeit beim Handeln mehrerer Beteiligter wird nicht zwischen beendetem oder unbeendetem Versuch differenziert. Erforderlich sind immer freiwillige Äktivitäten zum Zwecke der Vollendungsverhinderung. Bei fehlender Verhinderungskausalität müssen ernsthafte Bemühungen vorliegen. Gleiches gilt, wenn die Tat unabhängig vom Beitrag des Versuchsbeteiligten begangen wird. Wenn der Taterfolg allein vom Beitrag eines Versuchsbeteiligten abhängig ist, genügt für diesen ausnahmsweise schlichte Passivität.

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