Skip to content

Strafverfahrensrecht (StPO) – Zeugenbeweis im Strafverfahren (§§ 48 – 71 StPO) – Glaubwürdigkeit eines Zeugen – Aussagetüchtigkeit eines Zeugen, psychiatrisches Sachverständigengutachten – Glaubhaftigkeit der Angaben eines Zeugen, aussagepsychologisches Sachverständigengutachten

Volker Dembski | Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht in München | Strafverteidiger in München seit über 15 Jahren | Strafrecht in München von A bis Z | ☎️ 24h Notrufnummer 0178 / 14 089 44 für Strafrecht in München

 

Nachfolgend befasst sich Fachanwalt Strafrecht München Volker Dembski mit dem Zeugen als Verfahrensbeteiligten im Strafprozess.

1. Zeuge als Beweismittel (§§ 48 – 71 StPO)

Der Zeuge ist im Strafverfahren zwar das häufigste, gleichzeitig aber auch das unzuverlässigste Beweismittel. Die diesbezüglichen Vorschriften befinden sich in den §§ 48 – 71 StPO.

2. Glaubwürdigkeit eines Zeugen

Die Beurteilung der Glaubwürdigkeit eines Zeugen ist ureigenste Aufgabe des Gerichts. Nur in Ausnahmefällen wird es geboten sein, einen Sachverständigen hinzuzuziehen. Bei der Glaubwürdigkeit handelt es sich um eine dauerhafte personale Eigenschaft.

3. Aussagetüchtigkeit eines Zeugen

Bei psychischen Auffälligkeiten in der Person des Zeugen, deren Beurteilung die Sachkunde des Gerichts übersteigt, ist ein psychiatrisches Sachverständigengutachten zur Frage der Aussagetüchtigkeit zu erholen.

4. Glaubhaftigkeit der Angaben eines Zeugen

Bei der Glaubhaftigkeit geht es um die Aussage eines Zeugen. Insoweit werden die Angaben anhand von Realitätskriterien und Warnsignalen im Wege einer Aussageanalyse untersucht, um auf diese Art und Weise festzustellen, ob die Angaben auf einem tatsächlichen Erleben beruhen.

Ausgehend von dem methodischen Grundprinzip, einen zu überprüfenden Sachverhalt so lange zu negieren, bis diese Negation mit den gesammelten Fakten nicht mehr vereinbar ist, ist zunächst bei der Beurteilung von Zeugenaussagen von der Hypothese auszugehen, dass eine Aussage unwahr ist (sog. Nullhypothese). Zur Prüfung dieser Annahme sind weitere Hypothesen zu bilden. Ergibt die Prüfung dieser Hypothesen, dass die Unwahrhypothese mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so ist sie zu verwerfen und von der Alternativhypothese, nämlich dass die Aussage wahr ist, auszugehen. Die Unwahrhypothese kann widerlegt werden durch kumuliert auftretende Realitätskriterien, welche empirisch überprüft, obgleich bei vereinzeltem Vorliegen von lediglich eingeschränkter Validität, in der Gesamtheit jedoch indiziell für eine glaubhafte Aussage sprechen. Als Realkennzeichen gelten unter anderem Detailreichtum einer Aussage, Schilderung von Komplikationen, deliktstypische Einzelheiten, individuelle Prägung, Schilderung von begleitenden Gefühlen, Verflechtung mit Angaben von anderen Geschehnissen, wörtliche Wiedergabe von Gesprächen, Nichtsteuerungskriterium (inhaltlich ungeordnete, nicht chronologische, sprunghafte Wiedergabe der Geschehnisse einschließlich der Fähigkeit, an verschiedene Punkte des Geschehens springen zu können).

Bedient sich das Gericht insoweit eines Sachverständigen, fällt dies in den Kompetenzbereich eines Psychologen. Grundsätzlich wird das Gericht jedoch die Glaubhaftigkeit von Angaben eines Zeugen, der aussagetüchtig ist, selbst beurteilen können.

Sie haben ein strafrechtliches Problem und benötigen professionelle Beratung oder Vertretung durch einen engagierten Fachanwalt für Strafrecht in München? Jetzt erfahrenen Strafverteidiger unter Telefonnummer 089 / 517 017 94 persönlich kontaktieren oder Nachricht an E-Mail-Adresse dembski@fachanwalt-strafrecht-muenchen.org senden und kurzfristig Termin vereinbaren!