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Zeuge im Strafprozess (§§ 48 – 71 StPO) – Glaubwürdigkeit eines Zeugen, psychiatrische Aussagetüchtigkeit – Glaubhaftigkeit der Angaben eines Zeugen, psychologische Aussageanalyse

Strafverteidiger München – Fachanwalt Strafrecht

Rechtsanwalt Strafrecht München: Volker Dembski

Nachfolgend befasst sich Fachanwalt Strafrecht München Volker Dembski mit dem Zeugen als Verfahrensbeteiligten im Strafprozess.

1. Zeuge als Beweismittel (§§ 48 – 71 StPO)

Der Zeuge ist zwar das häufigste, gleichzeitig aber auch das unzuverlässigste Beweismittel. Die diesbezüglichen Vorschriften befinden sich in den §§ 48 – 71 StPO.

2. Glaubwürdigkeit des Zeugen

Die Beurteilung der Glaubwürdigkeit eines Zeugen ist ureigenste Aufgabe des Gerichts. Nur in Ausnahmefällen wird es geboten sein, einen Sachverständigen hinzuzuziehen. Bei der Glaubwürdigkeit handelt es sich um eine dauerhafte personale Eigenschaft. Bei psychischen Auffälligkeiten in der Person des Zeugen, deren Beurteilung die Sachkunde des Gerichts übersteigt, ist ein psychiatrisches Sachverständigengutachten zur Frage der Aussagetüchtigkeit zu erholen.

3. Glaubhaftigkeit der Aussage

Hiervon ist die Prüfung der Glaubhaftigkeit der Aussage eines Zeugen zu unterscheiden. Bei der Aussageanalyse werden die Angaben eines Zeugen anhand von Realitätskriterien und Warnsignalen untersucht, um auf diese Art und Weise festzustellen, ob die Angaben auf einem tatsächlichen Erleben beruhen.

Ausgehend von dem methodischen Grundprinzip, einen zu überprüfenden Sachverhalt so lange zu negieren, bis diese Negation mit den gesammelten Fakten nicht mehr vereinbar ist, ist zunächst bei der Beurteilung von Zeugenaussagen von der Hypothese auszugehen, dass eine Aussage unwahr ist (sog. Nullhypothese). Zur Prüfung dieser Annahme sind weitere Hypothesen zu bilden. Ergibt die Prüfung dieser Hypothesen, dass die Unwahrhypothese mit den erhobenen Fakten nicht mehr in Übereinstimmung stehen kann, so ist sie zu verwerfen und von der Alternativhypothese, nämlich dass die Aussage wahr ist, auszugehen. Die Unwahrhypothese kann widerlegt werden durch kumuliert auftretende Realitätskriterien, welche empirisch überprüft, obgleich bei vereinzeltem Vorliegen von lediglich eingeschränkter Validität, in der Gesamtheit jedoch indiziell für eine glaubhafte Aussage sprechen. Als Realkennzeichen gelten unter anderem Detailreichtum einer Aussage, Schilderung von Komplikationen, deliktstypische Einzelheiten, individuelle Prägung, Schilderung von begleitenden Gefühlen, Verflechtung mit Angaben von anderen Geschehnissen, wörtliche Wiedergabe von Gesprächen, Nichtsteuerungskriterium (inhaltlich ungeordnete, nicht chronologische, sprunghafte Wiedergabe der Geschehnisse einschließlich der Fähigkeit, an verschiedene Punkte des Geschehens springen zu können).

Bedient sich das Gericht insoweit eines Sachverständigen, fällt dies in den Kompetenzbereich eines Psychologen. Grundsätzlich wird das Gericht jedoch die Glaubhaftigkeit von Angaben eines Zeugen, der aussagetüchtig ist, selbst beurteilen können.

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