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Einfacher Raub (§ 249 StGB) – Schwerer Raub (§ 250 StGB) – Raub mit Todesfolge (§ 251 StGB) – Räuberischer Diebstahl (§ 252 StGB) – Räuberische Erpressung (§§ 253, 255 StGB)

Strafverteidiger München – Fachanwalt Strafrecht

Rechtsanwalt Vermögensstrafrecht München: Volker Dembski

Nachfolgend setzt sich Anwalt Vermögensstrafrecht München Volker Dembski mit den verschiedenen Raubdelikten gemäß den §§ 249 – 255 StGB auseinander.

1. Raub (§ 249 StGB)

Beim Raub gemäß § 249 Abs. 1 StGB handelt es sich um einen Straftatbestand, der sich aus Diebstahl und qualifizierter Nötigung zusammensetzt. Er schützt die Willensfreiheit, den Gewahrsam und das Eigentum.

Gewalt ist der physisch vermittelte Zwang zur Überwindung eines geleisteten oder erwarteten Widerstandes. Handlungen des Täters, die lediglich in körperlicher Anwesenheit bestehen und zu einer Zwangswirkung rein psychischer Natur führen, fallen nicht unter den Gewaltbegriff. Der Zwang muss sich auf den Körper der betroffenen Person auswirken. Es genügt aber, wenn die Gewalt durch eine Sache oder einen Stoff vermittelt wird. Es ist nicht erforderlich, dass der Wille des Opfers ausgeschlossen wird. Es reicht aus, wenn der Wille gebeugt wird. Der körperliche Zwang muss nicht erheblich sein. Wenn List und Schnelligkeit die prägende Elemente der Tatausführung sind, liegt kein Raub, sondern nur Diebstahl vor.

Das Raubmittel der Drohung ist mit einer nicht unerheblichen und gegenwärtigen Beeinträchtigung der körperlichen Integrität des Opfers verbunden, wobei der Eintritt des Übels vom Willen des Täters abhängig zu sein erscheinen muss. Realisierbarkeit oder Realisierungswille ist nicht erforderlich. Eine Scheindrohung ist also ausreichend. Hat der Täter jedoch für den Betroffenen erkennbar keinen Einfluss auf das in Aussicht gestellte Übel, liegt nur eine Täuschungshandlung vor, die einen Betrug begründen kann.

Die Gewalt oder Drohung müssen nicht gegen den Gewahrsamsinhaber selbst gerichtet sein. Beim Nötigungsdreieck ist keine Nähebeziehung erforderlich.

Das Raubmittel muss zum Zwecke der Wegnahme angewendet worden sein. Dies ist nicht gegeben, wenn der Täter nur die fortwirkenden Folgen einer aus anderen Gründen vorgenommenen Nötigung ausnutzt. Ausnahmsweise kann aber eine zu anderen Zwecken verübte Gewalt als Drohung weiterer Gewaltanwendungen fortwirken.

Wird ein Gegenstand unter Anwendung von Nötigungsmitteln weggenommen, um ihn als Druckmittel einzusetzen, fehlt es an der erforderlichen Aneignungsabsicht.

Die erstrebte Zueignung ist rechtswidrig, wenn sie objektiv im Widerspruch zur Eigentumsordnung steht. Daran fehlt es, wenn der Täter Inhaber eines fälligen und durchsetzbaren Speziesanspruches ist. Nachdem Geldschulden zu den Gattungsschulden zählen, ist in diesen Fällen zu prüfen, ob möglicherweise ein Tatbestandsirrtum vorliegt.

2. Räuberische Erpressung (§§ 253, 255 StGB)

Jeder Raub erfüllt zugleich die Voraussetzungen einer räuberischen Erpressung gemäß §§ 253, 255 StGB, die jedoch im Wege der Gesetzeskonkurrenz zurücktritt.

Eine Wegnahme im Sinne des Raubtatbestandes liegt immer dann vor, wenn der Täter den Gewahrsamswechsel nach dem äußeren Erscheinungsbild selbst vollzieht.

Fehlt es an der Zueignungsabsicht, kann bei vorliegender Bereicherungsabsicht auf den Tatbestand der räuberischen Erpressung zurückgegriffen werden, auch wenn die Willensbildung des Opfers durch das Nötigungsmittel ausgeschlossen worden ist.

3. Schwerer Raub (§ 250 StGB)

Beim schweren Raub gemäß § 250 Abs. 1 Nr. 1a und 1b StGB ist zwischen Waffen, anderen gefährlichen Werkzeugen sowie sonstigen Werkzeugen oder Mitteln zu unterscheiden.

Der Waffenbegriff im Strafrecht ist nicht identisch mit dem des Waffenrechts. Das Waffenrecht, welches im WaffG geregelt ist, dient jedoch als Orientierungshilfe.

Unter einem anderen gefährlichen Werkzeug versteht man einen Gegenstand, der in der konkreten Art seiner Benutzung im Einzelfall geeignet ist, erhebliche Verletzungen herbeizuführen.

Sonstige Werkzeuge oder Mittel sind Gegenstände, die objektiv ungefährlich sind. Erfasst werden auch Scheinwaffen, also Gegenstände, deren Verletzungstauglichkeit nur vorgetäuscht wird, es sei denn, die Ungefährlichkeit ergibt sich bereits aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes.

Die schwere Gesundheitsschädigung gemäß § 250 Abs. 1 Nr. 1c StGB muss zwar nicht eingetreten sein, das Verhalten des Täters muss aber zu einer konkreten Gefährdung geführt haben.

Der Begriff der Bande gemäß § 250 Abs. 1 Nr. 2 StGB setzt einen Zusammenschluss von mindesten drei Personen voraus.

Das Tatbestandsmerkmal des Verwendens beim besonders schweren Raub gemäß § 250 Abs. 2 Nr. 1 StGB kann auch durch eine schlüssige Drohung erfüllt werden. Der Einsatz einer Scheinwaffe reicht insoweit aber nicht aus.

4. Raub mit Todesfolge (§ 251 StGB)

Beim Raub mit Todesfolge gemäß § 251 StGB liegt bereits in der Gewaltanwendung der Beginn der Wegnahme, wenn sich die Gewahrsamserlangung zeitlich an die Tötungshandlung anschließt. Es ist daher ohne Bedeutung, wenn die Wegnahme erst nach dem Tod des Opfers vollendet wird.

5. Räuberischer Diebstahl (§ 252 StGB)

Wird die Gewalt oder Drohung nicht zur Gewahrsamserlangung, sondern zur Gewahrsamssicherung angewendet, liegt ein räuberischer Diebstahl gemäß § 252 StGB vor.

Erforderlich ist aber ein enger räumlicher und zeitlicher Zusammenhang mit der Wegnahmehandlung. Insoweit genügt ein Handeln in unmittelbarer Tatortnähe alsbald nach Vollendung der Wegnahme, aber vor Beendigung der Tat.

Weiterhin muss der Täter mit der Absicht handeln, sich die Beute zu sichern. Wer sich durch die qualifizierte Nötigung lediglich die Flucht ermöglichen möchte, handelt nicht mit Beutesicherungsabsicht. Auf der anderen Seite muss die Verhinderung einer Gewahrsamsentziehung nicht der einzige oder vorherrschende Handlungstrieb sein. Der Täter wird gleich einem Räuber bestraft. Das gilt auch für die qualifizierten Tatbestände.

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